Sonntag, 12. Oktober 2014

Tom Ford // Black Orchid



Beginnt man, sich mit der Welt der Düfte und all ihren Schätzen ein wenig intensiver zu beschäftigen, so kommt man an einem Exemplar wohl kaum vorbei: Tom Fords Black Orchid. Es ist ein Klassiker, den man nicht unbedingt mögen, aber erlebt haben muss. Ein bisschen so wie Goethes Faust oder Shakespears Macbeth.
Ein Duft, der zur olfaktorischen Allgemeinbildung gehört und der die Geister scheidet. Doch dass diese Kreation im Gedächtnis bleibt, das können wohl auch die ärgsten Kritiker nicht leugnen.

Schon der schwarze Flakon ist ein Statement, veredelt mit einer goldenen Plakette driften die Erwartungen ins Unermessliche. Obwohl ich mich schon länger mit der Materie auseinandersetze, roch ich bewusst erst letzten Monat bei KaDeWe an Black Orchid, als ich schnurstracks an den besagten Counter lief.
Natürlich spielte mein Kopf auch hier zuvor mehrere Runden fantasiereiches Kopfkino mit mir und ich malte mir eine schwere Komposition aus, die mich beim ersten Schnuppern schon aus den Latschen hauen würde. Irgendwas wie Patchouli, Ylang Ylang, Weihrauch oder Vanille musste sich in diesem edel anmutenden Fläschen doch verbergen, etwas, das einem die Luft zum Atmen nimmt und definitiv zu viel des Guten ist. Heute frage ich mich, wie ich eigentlich zu diesem Vorurteil kam. Ist es tatsächlich das schwarze Glas, das königlich und ein wenig angsteinflößend zugleich wirkt? Oder sind es die 50/50 Meinungen in den virtuellen Weiten, die einfach keine eindeutige Rezension zulassen wollen? Im Endeffekt glaube ich, dass es mit dem Namen zu haben muss. Black Orchid, das klingt nicht plump, aber irgendwie endgültig, Interpretationsraum scheint hier unerwünscht. Wahrscheinlich ist es eine psychologische Strategie, denn was mir in diesem Augenblick in die Nase stieg, war alles andere als erwartet. Als Verfechter von eher frischen und leichten Düften (vorzugsweise mit grünem Tee oder Minze versetzt), war Black Orchid sicher kein Griff zum Gewohnten. Auf Beschreibungen à la holzig-orientalisch springe ich höchstens nach mehrmaligen Freudengesängen von Kennern an, weil mir diese Parfums nicht selten Kopfschmerzen bescheren. Die Komposition aus schwarzer Johannisbeere, Trüffel, Ylang Ylang (da lag ich immerhin ein kleines bisschen richtig), Bergamotte, Nelke, Pfeffer und schwarzer Orchidee ist gewagt, keine leichte Kost und ganz sicher nicht jedermanns Geschmack. Aber es muss wohl auch ein Hauch Magie mitschwingen, denn dieser Duft ist so anders und entwickelt sich immer weiter. Er kommt animalisch raus und bei mir persönlich nach ein paar Stunden etwas zitrisch, die Kreation erinnert mich an wirklich gar nichts, was ich jemals zuvor gerochen habe und eröffnete mir völlig neue Sphären. Das mag sich übertrieben anhören, aber genau das ist es, was Black Orchid für mich ausmacht. Es ist diese hypnotische Übertreibung, derer ich mich kaum entziehen kann und die mich gänzlich in ihren Bann zieht, ich fühle mich ein bisschen wie im Delirium, wie benommen. Beim ersten Aufsprühen empfinde ich den Duft als gar nicht sonderlich stark, es ist die Zeit, die ihn so wunderbar macht. Mit jeder weiteren Tragestunde wird er wärmer, holziger und fast einvernehmend. Alltagsdüfte riechen anders, man muss definitiv in einer ganz besonderen seelischen und körperlichen Verfassung sein, um ihn mit Würde zu tragen. Doch jedes Mal, wenn ich ihn mir voller Stolz und Selbstbewusstsein aufsprühte, erntete ich haufenweise Komplimente. Und das Besondere daran: niemand kam auf die Idee, dass es ein Parfum war, nachdem der Raum plötzlich roch. Es ist ein Nebel der besonderen Art, niemals erdrückend, aber so vielschichtig, dass es mich manchmal umhaut. Es ist ein Duft zum Nachdenken, man entdeckt immer wieder neue Seiten an ihm und ich würde fast behaupten, dass man in olfaktorischer Sicht an ihm wächst. Die Kleider riechen noch Tage nach Black Orchid und hinterlassen eine Spur von Zauber, die es heute wohl nur noch in Flakons gibt. Wer sich und seine Umwelt auf eine ganz besondere Art und Weise (heraus)fordern will, der sollte sich diesen Klassiker nicht entgehen lassen! Ein Liebhaberstück, das Aufmerksamkeit und ein wenig Intelligenz zum Verstehen verlangt. Ein Duft, über den geredet wird. Wie eine rabenschwarze Nacht, die dich in ihrer Stille gefangen hält und dir trotzdem ein unheimliches Gefühl der Geborgenheit vermittelt. Like a trip.

-so in love with Tom Ford's Black Orchid-

Kommentare:

  1. Wow was für eine mega Duftbeschreibung. Weckt auf jedenfall Interesse ihn mal zu probieren :) vielen dank für diesen tollen Eindruck

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  2. Wenn ich könnte, würde ich direkt losgehen um daran zu riechen. Wäre da nicht mein Gips.
    Mist.
    Aaaaber bald :)

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  3. Ich hab ihn schon vor Jahren meiner Mutter zu Weihnachten geschenkt, ich glaube da war ich knapp 18, also ist das Ganze schon 6 Jahre her :D Mir gefiel der Duft anfangs gar nicht, er riecht nach dem Aufsprühen irgendwie alles andere als gut für mich, aber wie du es beschreibst: er entwickelt sich immens. Meistens finde ich ihn am angenehmsten, wenn man ihn abends aufgetragen hat und am nächsten Morgen riecht. Ich finde auch, nicht jede Frau kann ihn tragen, er ist zu gewissen Kleidungsstilen absolut inkompatibel. Alles in allem ein eher komplizierter Duft.

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    1. Black Orchid ist auf jeden Fall eine Nummer, aber genau das macht ihn ja so spannend. Durchschnitt kann ja jeder:)

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  4. I am such a fan of this perfume!!!
    xo
    Stacy

    http://tastyrumors.blogspot.com/

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  5. Ich lese deinen Text über Black Orchid immer wieder gern. Er ist so wunderbar geschrieben, dass ich jedes Mal ganz Hin und Weg bin. Deine Begeisterung steckt an ;)

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