Mittwoch, 11. Februar 2015

Balmain // Ambre Gris


Ladies, es gibt Trophäen im Leben einer Beautysüchtigen, die man einfach besitzen muss. Dass Nischendüfte und die Parfummaterie im Allgemeinen vor gar nicht allzu langer Zeit zu einer richtigen Leidenschaft von mir geworden sind, konntet Ihr bereits in einigen Beiträgen lesen. In Ambre Gris von Balmain war ich schon lange heimlich verliebt, aber - Schande über mich - nur der Ästhetik wegen. Der puristische Flakon in rauchigem Grau mit einer goldenen Discokugel zum Verschluss und dem stilvollen Retroetikett aus Papier, ja diese Kombi hatte sich in mein Herz gebohrt. Als ich mich letzten April durch die erlesenen Duftregale Berlins schnupperte, fiel mir das Fläschen in die Hände. Ich wusste nicht, was mich erwartete, bekannt war mir nur, dass die geheimnisvolle Zutat Ambra eine wachsartige Substanz aus dem Bauch der Pottwale ist. Doch seien wir ehrlich, deliziöse Illusionen weckt dieses Wissen nicht gerade im imaginären Gedankenparadies der Damen, oder?
Ambre Gris ist kein Wässerchen zum bloßen Aufsprühen, es ist viel mehr eine Erfahrung, wie der Soundtrack einer bestimmten Lebensphase, doch beginnen wir von vorne.

In nicht wenigen Reviews wird der Duft als orientalisch-schwer betitelt, ich würde ihn einfach nur dunkel nennen. Aber nicht auf diese Art, wie es Oudkreationen oder Weihrauchmixturen sind. Ambre Gris verhält sich beispielsweise gänzlich anders als Tom Fords Black Orchid, der Königin unter den schweren Parfums. Balmains Werk bleibt subtil im Hintergrund, während es durchgängig die Hauptrolle spielt. In der Kopfnote versprühen rosa Beeren und Zimt eine wohlige Wärme, ein florales Bouquet sorgt für eine Prise Weiblichkeit. Die Herznote ist hier die am komplexesten gestaltete aller Noten. Eine Mischung aus Immortellen, Honig, Kaffee, Tabak und Tuberose führen zu Irrungen und Wirrungen, nach etwa ein bis zwei Stunden überfordert mich der Duft an manchen Tagen dank seiner facettenreichen Struktur, befinde ich mich jedoch in der richtigen Tagesform, kann ich kaum genug davon kriegen und entdecke stetig neue Nuancen. Die Basisnote klingt holzig und derb aus, Myrrhe, weißer Moschus und geräuchertes Gujakaholz bilden einen Abschluss, den ich als unisex deklarieren würde. Ambre Gris ist kein Frauenparfum, es ist eine Attitude. Perfekt für die allblackeverything-Anhängerin, die es mysteriös und still mag und trotzdem gerne im Mittelpunkt steht. Für mich persönlich ist es kein Alltagsduft, ich trage ihn nur zum Ausgehen. Und dann am allerliebsten zu deepen Beats von Porcelain Raft, Tropic of Cancer oder Isolée.
Eine Stimmung wie in Trance, olfaktorischer Techno, der die Sinne dressiert. Eine Flucht aus der omnipräsenten Hektik. Anspruchsvoll, aber dezent. Eine Kreation, die unter die Haut geht und im Gedächtnis bleibt.

-Ambre Gris is deep-

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