Montag, 1. Juni 2015

Lalique // Encre Noire


Ich bin leidenschaftliche Puristin und liebe den Minimalismus mit all seinen Facetten. Bei Düften trifft das nicht immer zu, doch auch in diesem Metier schätze ich auf den Punkt gebrachte Klarheit sehr. Als ich Laliques Encre Noire zum ersten Mal gerochen habe, war es um mich geschehen. Und eines müsst Ihr wissen: es geht hier um ein Exemplar, nach dem ich aus eigenem Antrieb wohl eher nicht gegriffen hätte. Nachdem ich direkt im Anschluss dieser Begegnung einige Recherchen angestellt hatte, offenbarte sich mir des Rätsels Lösung ganz fix: Vetiver. Ich liebe das Aroma des aus Asien stammenden würzigen Süßgrases und verfalle wie durch Magie sämtlichen Kompositionen, die damit angereichert wurden. Damals trug mein Chef dieses Parfum und ich konnte in seinem Beisein den ganzen Tag nicht mehr klar denken - ein deutliches Indiz dafür, dass mich ein Duft um den Verstand gebracht hat. Das passiert mir nicht häufig, aber wenn dann richtig (wie in der Liebe). Ich stöberte lange durch sämtliche Onlineshops und wurde schließlich bei Beautylane fündig, die zu meiner Überraschung das Damenpendant (von dem ich nichts wusste) führen.

Die männliche Version ist tiefgründig, fast hart. Da gibt es keine feinen Nuancen, nur die klaren Strukturen des Vetivers. Ein Duft, so unkonventionell wie das deutlichste Statement, ohne Wenn und Aber. Kompromisslos und eigen, dabei aber niemals aufdringlich oder gar laut. Mit Männerparfums tue ich mich oft schwer, nicht selten sind sie extrem moschuslastig oder schlichtweg überdosiert. Sind es gelungene Kreationen, greife ich aber auch gerne selbst danach. Bin ich einmal verliebt, gibt es für mich wenig bis gar keine Alternativen, der weibliche Gegensatz hatte es also nicht leicht. Zur äußerst puren Vetivernote mischt sich in der Damenausführung Osmanthus- und Freesienblütenaroma hinzu, sizilianische Bergamotte verleiht dem Parfum Esprit und eine gewisse Leichtigkeit. Durch die beigefügte florale Note erinnert mich Encre Noire an eine ausgeprägte Dusche, sehr rein und total angenehm. Nicht einer dieser typischen Frauendüfte, die mir persönlich irgendwie immer einen Ticken zu süß und zu viel sind. Vetiver entwickelt sich bei jedem anders, auf meiner Haut ist nach einer Zeit eine warme, balsamartige Nuance wahrnehmbar. Anders als andere Gräser geht er aber nicht nach und nach in die holzige Richtung, sondern behält seine spritzige Frische bei, was ich genial finde. Encre Noire ist erwachsen, aber niemals altbacken. Untypisch und markant und trotzdem kein Parfum, das die Geister scheidet. Ein wenig erinnert es mich an Byredos Gypsy Water, bloß weniger warm. Für mich ist es ein perfektes Alltagsparfum, ein Paradebeispiel dafür, wie meine Umwelt duften sollte. Frisch, gepflegt und stilvoll und ohne den großen Auftritt zu suchen.

-can't get enough of Lalique's Encre Noire-

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