Dienstag, 1. September 2015

Hermès // Le Jardin de Monsieur Li


Dass Jean-Claude Ellena - Haus- und Hofparfümeur bei Hermès - mit seinem Tagebuch The Diary of a Nose alleiniger Schuldtragender meiner olfaktorischen Leidenschaft ist, dürfte mittlerweile bekannt sein. Alles begann 2010 mit einer Duftreise nach Grasse (übrigens, wie sollte es auch anders sein, die Heimat des Meisters) und eben diesem Stück Literatur. Herr Ellena kreiert nicht nur für Hermès, auch Dufthäuser wie Bulgari, Frédéric Malle oder Amouage gehören zu seinen besten Kunden. Am Hermès-Counter fühle ich mich immer ein wenig wie im Paradies - hier scheint alles genau für mich geschaffen zu sein! Nachdem Un Jardin aprés la Mousson mein diesjähriger Sommer- und Lissabonduft war, habe ich mich ganz arg auf die Neulancierung namens Le Jardin de Monsieur Li gefreut, mit der die Jardin-Reihe ihr fünftes Mitglied begrüßt.

Le Jardin de Monsieur Li ist das Ergebnis einer intensiven Chinareise Ellenas, die ihm die olfaktorischen Geheimnisse dieses berauschenden Landes gelehrt hat. Ein Garten zwischen Realität und Fantasie, ein Ort der Meditation und des Nachdenkens. Ähnlich verhält es sich mit dem Parfum selbst - denn Le Jardin de Monsieur Li ist ein wenig extravaganter, als die gewohnten Bouquets. Die Zusammensetzung scheint recht simpel und ist bei genauerem Riechen doch der eigentliche Knackpunkt. Bittere Kumquat und süßlicher Jasmin halten sich die Waage, Spritzigkeit liefert ein Hauch Minze, der an die kühlende Nässe nach einem Monsun erinnern soll. Meine Nase war ob der wenigen Inhaltsstoffe anfänglich etwas unterfordert. Man versucht hier vergeblich, eine Duftpyramide bestehend aus Kopf-, Herz- und Basisnote ausfindig zu machen, was aber eigentlich europäische Tradition ist. Ein subtiler zitrischer Schleier legt sich um den Träger (der meiner Meinung nach auch ohne Problem männlicher Natur sein kann) und umgibt ihn mit einer verwirrenden Aura. Das Umfeld wird nicht unweigerlich an Parfum denken, wenn ihm die bitteren Kumquat-Noten in die Nase steigen, doch auffällig ist diese Kreation allemal. Erfrischend wie ein Sommerregen, unaufgeregt wie ein weißes Leinenkleid und immer passend wie ein gestreiftes Bretagneshirt. Eine androgyne Hommage an die sommerliche Leichtigkeit, gemacht für Minimalisten und Liebhaber einer dezenten Sillage.


P.S.: in der aktuellen VOGUE gibt es ein tolles Special zu der Entstehungsgeschichte des neuen Duftes zu lesen!

-so happy with the new Hermès perfume-

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