Freitag, 27. November 2015

Maison Francis Kurkdjian // Aqua Vitae Forte


Auf einem Beautyblog über die Leichtigkeit des Seins zu philosphieren, kam mir im ersten Moment komisch vor. Was haben Makeup, Skincare und Parfum mit denen das Leben begleitenden Emotionen zu tun? 
Nicht gerade wenig, fiel mir später auf. Ich erinnere mich noch heute, welches Parfum ich bei meinem ersten Kuss trug, nach welchem Rouge ich während des besten Sardinien-Urlaubs meines Lebens süchtig war und wie meine Kinderhaare nach jedem Schwimmbadgang sanft nach dem ultimativen Pfirischshampoo von Garnier dufteten. Es ärgert mich manchmal, dass Beauty häufig als oberflächlich betrachtet wird und Mädels wie ich gleich in einer eng gedachten Schublade landen. Klar, in Anbetracht der aktuellen Weltgeschehnisse schwirren auch mir andere Gedanken im Kopf herum, das ist auch gut so. Und trotzdem versuche ich immer wieder einige meiner Freundinnen und Kumpels für dieses so banal erscheinende Themengebiet zu sensibilisieren. Manchmal gelingt es mir auch und mit einem meiner besten Freunde teile ich das besagte "Geruchsmensch-Sein", worüber wir bei zu vielen Gin-Tonics schon etliche Stunden philosophiert haben. Noch immer wird ihm ganz schwindelig, wenn er irgendwo den Duft seiner ersten Jugendliebe aufschnappt, er bemerkt sofort, wenn ich ein anderes Parfum trage und auch ich tendiere zu diesem für einige vielleicht etwas seltsam wirkenden Verhalten. Ich verliebe mich primär in einen speziellen Duftcocktail (was wir mehr oder minder bewusst übrigens alle tun) und werde regelrecht süchtig danach. Es gibt Zeiten, da komme ich mir vor wie eine Lightversion von Jean-Baptiste Grenouille und zwinge mich damit aufzuhören, mir zu jeglichen Parfums wilde Gedankenassoziationen auszumalen. Aber: es macht Spaß, es bringt Freude und trainiert den Geruchssinn ungemein! Nur was tun, wenn das Näschen mal zu viel hat von all der olfaktorischen Poesie und des schillernden Facettenreichtums in hübsch geschliffenen Glasflakons? Dann muss schlichte Perfektion die Wogen glätten und die nasalen Rezeptoren auf neue Achterbahnfahrten vorbereiten.

Als Beautyblogger hortet man Unmengen an Lippenstiften, Foundations und Nagellacken und trotzdem fällt in meiner Sammlung eine Kategorie noch deutlicher ins Auge: Parfums! Meine liebsten (es dürften so um die 20 sein) habe ich feinsäuberlich auf einem Kupfertablett auf meiner Kommode arrangiert, wohlwissend, dass sich Düfte dunkel aufbewahrt länger halten. Doch gegen die Magie schöner Flakons bin ich einfach machtlos und betrachte sie daher als Interiorgegenstand. Der Rest schlummert in einer vor Sonnenlicht geschützten Schublade und wartet auf den passenden Einsatz (den ich übrigens den Jahreszeiten nach abhängig mache). Andere Frauen stehen vor ihrem hoffnungslos überfüllten Kleiderschrank und sagen sich imaginär die lächerlich klingenden Worte "Ich habe nichts zum Anziehen" vor, mir geht es bei der Duftwahl häufig so. Orientalisch, frisch, grün oder doch lieber würzig? Ordentliche Sillage, eher subtil im Abgang oder experimentell? An manchen Tagen fehlt mir schlichtweg die Fantasie und ich bin - sehr gegen mein eigenes Naturell - so gar nicht entscheidungsfreudig. Dann gibt es eine Hand voll Parfums, die mir geschickt aus der Patsche helfen. Die meine Nase in den Entspannungsmodus katapultieren und meinem olfaktorischen Anspruch trotzdem noch gerecht werden können. So ein Kandidat ist Maison Francis Kurkdjians Aqua Vitae Forte*. Als ich die Duftpyramide las, klang die Kreation erstmal nicht sonderlich kreativ. Mandarine, Bergamotte, Pfeffer, Ylang-Ylang und Sandelholz scheinen ziemlich austauschbar, jedenfalls nicht wie eine innovative Geruchsexplosion. Das will dieses Parfum auch gar nicht sein und genau für diesen Fakt schätze ich es so sehr. Mir ist bis dato bei all meinen ausschweifenden Testorgien noch nie ein solch cremiges Exemplar untergekommen, das nach Stunden nicht an den Nerven zerrt und einfach nur elegant wirkt. Eine ganz leichte florale Note macht Aqua Vitae Forte in meiner Nase zu einem Frauenduft, bleibt aber immer kokett und angebracht. Dieser Duft ist mein stilsicherer Kaschmirpulli, mein zeitloser Camelcoat und die heiß geliebten schwarzen Chelsea Boots. Es gibt keine Gelegenheit, zu der er nicht passen würde, er ist ein Retter in der Not und glänzt auch sonst in all seinen perfekt aufeinander abgestimmten Facetten wunderbar milchig. Das viel gehypte Blanche von Byredo ist mir sehr oft viel zu stechend in der Nase und erinnert mich an Weichspüler (was es wohl auch soll), der Geruch nach frischer Bettwäsche lockt aber auch mich immer wieder in die Parfümerie. AVF ist nicht unbedingt die Sorte "wie frisch gewaschen", gehört aber definitiv in die Kategorie der Sauberdüfte. Ohne großes Brimborium ist hier ein Meisterwerk des Parfumhandwerks in höchster Qualität gelungen, das laut nach stilvollem Purismus schreit und doch nicht gleich im ersten Moment auffällt. 
Wer auf der Suche nach Understatement in der Luxusausführung ist, könnte hier fündig werden!

-one of the best scents ever-

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