Freitag, 18. Dezember 2015

Chanel // N°5 Eau Première


Egal ob Mode, Literatur, Musik oder eben Parfum - um Klassiker kommt man bei intensiverer Beschäftigung mit einem spezifischen Thema nur schwer herum. Kein Wunder, denn durch sie wird man häufig auf eine ganz andere Verständnisebene katapultiert und betrachtet die Dinge fortan mit einem anderen, geschulteren Blick. Wenn ich mir beispielsweise meinen Kleiderschrank angucke, dann finde ich dort heute überwiegend Blusen, schwarze Jeans, Chelsea Boots und klassische Blazer und Jacken. Stücke, die auch mal etwas mehr kosten, dafür aber jahrelang halten und nie aus der Mode kommen. Das sah vor fünf Jahren noch ganz anders aus und ähnlich verhält es sich auch mit meiner olfaktorischen Entwicklungsreise. Mit achtzehn war Miss Dior Chérie das Parfum meiner Träume, der Duft meiner ersten großen Liebe und eine blumig-pudrige Hommage an die Leichtigkeit des Seins der langsam verblassenden Jugendtage. Was sich dramatisch anhört, ist in Wahrheit eine wunderschöne und stetige Veränderung meiner Geruchswahrnehmung, die mich Tag für Tag fordert und prägt. Damals hätte ich mich wohl niemals an einen Kultklassiker wie Chanels N°5 getraut und auch heute ist mir dieses ominöse Wässerchen noch einen Ticken zu erwachsen. Die Überarbeitung eben diesens trägt den Namen N°5 Eau Première* und hat sich ein wenig der Flatterhaftigkeit aus Teenietagen bewahrt. Nicht süß und glitzerig, aber in einer Art pudrigen Sanftmuts. Die enthaltenen Aldehyde, die den Kassenschlager bei seiner damaligen Lancierung zu einer echten Innovation machten, bleiben auch dieser Version in der Kopfnote erhalten. Neroli, Ylang-Ylang, Jasmin, Vanille, Sandelholz und Vetiver halten sich ziemlich exakt die Waage zwischen holzig und blumig, sodass nie eine der Nuancen eine unangenehme Überhand gewinnen könnte. Und wo ich auch olfaktorisch ungewohntes Terrain betrete, geschieht dasselbe Szenario in literarischer Hinsicht - denn wie beschreibt man ein Parfum, das seit Ewigkeiten einen festen Platz in unseren Herzen hat, das so viele Frauen (und auch Männer) täglich in ihre kleine Luxusroutine einbauen und auf das sie nicht mehr verzichten mögen? Hat nicht jeder seine ganz eigenen Assoziationen zu solch einem Kultobjekt? Eau Première haftet natürlich nicht diese Eleganz im Ausmaß seiner großen Schwester an und trotzdem ringe ich nach Worten. Für mich ist das Parfum ein Gefühl zum Aufsprühen, es verhält sich ähnlich wie mit hohen Schuhen. Ziehe ich sie an, fühle ich mich gleich besser, attraktiver und irgendwie unnahbarer. Genau in solchen Situationen greife ich auch zu Eau Première - wenn es edel, gesittet und stilvoll zugeht; für eine Nacht im Lieblingstechnoclub ist diese Kreation natürlich nichts. Ich trage meinen Camel Coat, spitze Lederboots, rote Lippen und diesen Duft. Eine Kombination, die mich unheimlich erdet und mich mit beiden Beinen im Leben stehen lässt, die mir diesen Hauch Erwachsensein verleiht, der mir noch fehlt, ohne den Spaß an der Freude zu verlieren. Mein ecrufarbener Seidenschal duftet ganz subtil nach dieser blumig-aufregenden Phase meines jetzigen Lebens und hüllt mich immer wieder in eine zart dekadente Aura, die mich an Audrey Hepburn und Jane Birkin denken lässt. Chapeau für dieses Meisterwerk, das dank des äußerst geschmackvollen und vielleicht schönsten Flakons meiner Sammlung gleichzeitig noch zum perfekten Interiorgegenstand wird!

P.S.: Entschuldigt bitte meine bachelorbedingte Abstinenz, die Gewinnerin des ersten Beautypaketes ist Anne! Herzlichen Glückwunsch, Mail ist auf dem Weg zu Dir. Und alle anderen haben noch bis zum 24.12. Zeit bei der Verlosung des 2. Paketes mitzumachen, bevor es das letzte zu gewinnen gibt. Good Luck♥

-attitude in a bottle-

1 Kommentar:

  1. Herrlicher Text, der beste Satz ist "Spaß an der Freude", ich mag diesen Ausdruck sehr.

    Liebst,
    Ragni x

    maleikah.com

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