Montag, 4. Juli 2016

État Libe d'Orange // Hermann à mes Côtés me parassait une Ombre


Dieses weimaranergraue Fläschen der französischen Kultfirma État Libre d'Orange - die Parfumliebhabern sehr wahrscheinlich ein Begriff sein wird - trägt definitiv den längsten Namen der Welt (übrigens eine literarisch-olfaktorische Hommage an Victor Hugo), doch das hinderte mein Hirn nicht an der Entwicklung einer wuchtigen Liebe, die ich für diese Kreation empfinde. Zuerst hielt ich nur ein Pröbchen des Parfums in meinen Händen und wie es im (Beauty)Alltag so ist, verschwinden diese für gewöhnlich wieder ziemlich fix vom Präsentierteller. 
Bei Hermann à mes Côtés me parassait une Ombre* war das aber anders; ich konnte es einfach nicht lassen, mir bei jeder Gelegenheit und mitten in der Stadt etwas von diesem grandiosen Wässerchen nachzulegen (was normalerweise so gar nicht meine Art ist) und so machte ich mich auf die Suche nach dem Warum:

Die Faszination liegt wohl im unisex-Wesen der Duftpyramide, denn wie Ihr wisst, stehe ich nicht gerade auf super feminine Blumenbouquets. Im rechteckigen Glasflakon vereinen sich Schwarze Johannisbeerknopse, Patchouli, Weihrauch, Pfeffer und Geosmin zu einer verheißungsvollen Symbiose, die süchtig macht. Geosmin ist ein natürlich vorkommender bicyclischer Alkohol (Chemie-Unterricht Ende), der sich durch einen erdig-muffigen Geruch charakterisiert. Klingt abstoßend, ist aber so ziemlich das Gegenteil. Wer dem omnipräsent gehypten Escentric Molécules-Trend verfallen war, dürfte auch hier wieder stark gefärdet sein. Hermann à mes Côtés ist kein Parfum par exemple, sondern viel mehr ein Phänomen. Egal wo ich es getragen habe, ich wurde von Frauen und Männern darauf angesprochen. Die grün-holzige Aura legt sich wie ein wärmender Schleier um den Träger und kollidiert auf die perfekteste Art und Weise mit dem hauteigenen Körpergeruch, der die Umwelt sehr erfolgreich in seinen Bann zu ziehen scheint. Man nimmt die einzelnen Komponenten nicht unbedingt als Duft wahr, es ist viel mehr das vollkommene Ganze, das hier die Magie ausmacht. Hermann entwickelt sich auf meiner Haut kontinuierlich weiter und durchlebt dabei eine spannende Reise von grasig-spritzig zu unaufdringlich-holzig mit einem sehr sinnlichen Touch, den man keinem konkreten Geschlecht zuordnen will. Für mich als Literaturwissenschaftlerin, Nischenliebhaberin und Duftenthusiastin der schönste Duft des Jahres, der direkt auf die Haut gesprüht werden sollte. Denn dort entfaltet er all seine Kraft und agiert so als sexy Komplimentegarant!

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