Sonntag, 31. Juli 2016

ETRO // A Story of Perfume Layering


Ich weiß nicht, ob es richtig ist, diesen Post mit Worten den aktuellen Weltgeschehnissen gewidmet zu beginnen, aber was kann in diesen Zeiten schon richtig oder falsch sein? Ich möchte hier weder politisch werden, noch Moralpredigten schreiben. Fakt ist jedoch, dass mir die Worte irgendwie fehlen und das haben sie noch selten. Europa steht vor einem Wendepunkt, Terror und Bedrohungen sind final auch bei uns angekommen.
Leider registriert man die Schreckensnachrichten erst, wenn sie einen direkt betreffen und langsam aber sicher beginnt man den Ernst der Lage zu begreifen. Donnerstag bin ich aus München zurückgekehrt und als mich Freitagabend meine dort lebende Schwester unter Tränen anrief, blieb für mich eine kurze Weile die Zeit stehen. Was ist nur los mit der Welt, mit uns Menschen? So viel Hass auf diesem wunderschönen Planeten und Besserung ist kaum in Sicht. Gerade explodiert in meinem Kopf ein Gedankenfeuerwerk nach dem anderen (wie wohl bei uns allen) und da erscheint es mir an manchen Tagen doch fast absurd, über die neuesten Beautytrends und Nischenfünde zu schreiben. Aber texten hat mich bisher noch aus jeder Sinneskrise herausgeholt und so werde ich mich auch jetzt wieder in die balsamierenden Wogen schöner Worte stürzen - in der tiefen Hoffnung, dass dieser absurde Irrsinn endlich ein Ende haben mag.


Nichtsdestotrotz ließ ich meine Gedanken in der letzten Zeit auch in weitaus schönere Gefilde abschweifen - bevorzugtes Terrain ist da natürlich immer noch die wunderbare Welt der Nischendüfte. ETRO habe ich aufgrund der überaus hübschen Flakons schon lange auf dem Schirm und als ich mich während meiner herrlichen München-Zeit dann fast schon ritualsmäßig jeden Samstag durch das Sortiment bei Beck geschnüffelt habe, entflammte so etwas wie Liebe. Zudem kommt die wunderbare Tatsache, dass man alle Düfte untereinander layern (ähnlich dem bekannten Jo Malone-Prinzip) und so aus quasi unerschöpflicher Quelle neue Kombinationen kreieren kann - für einen Duftjunkie wie mich genau das Richtige! Ich habe mir für Euch vier meiner liebsten Flakons rausgepickt und möchte schon hier erwähnen: Etra* ist meine Heldin und bereits jetzt unter den Top 5 meiner allerliebsten olfaktorischen Lieblinge.


Etra - warum nicht gleich mal den Star der Runde den Anfang machen lassen? Der Flakon mit dem wunderbar klingenden Namen birgt so ziemlich die harmonischste Kreation, die ich je gerochen habe. Etra duftet wie die flüssige Form puren Wohlbefindens und schmiegt sich so herrlich hautnah an, dass ich mir manchmal ein verschmitztes Lächeln nicht verkneifen kann. Die würzige Kombination aus Zimt, Sandelholz, Milch und Vanille klingt im ersten Augenblick vielleicht wie das Rezept von Omas Weihnachtsplätzchen, ist in Wahrheit aber so unaufgereget unaufdringlich und gleichzeitig charakteristisch intensiv, dass es mir wie ein kleines Wunder des olfaktorischen Handwerks erscheint. Ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass es Menschen gibt, die diesen Duft nicht mögen oder eine Hautbeschaffenheit existiert, die Etra nicht noch ein kleines bisschen deliziöser verzaubern könnte - es ist und bleibt ein Wundermittel im Beautyschrank, mysteriöse Wärme strahlt aus dem Flakon und schenkt dem Träger unendliche Glückseligkeit. Ausprobieren!

Paisley - Bergamotte, Kardamom, Ylang-Ylang und Rosa Pfeffer vereinen sich zu einem Gedicht indischer Lebensfreude, man riecht die Gewürze förmlich explodieren. Trotzdem bleibt das Parfum stets eloquent im Hintergrund und tritt nie unangenehm auf die große Bühne. Besonders für Fans von warmen Amberdüften eine schöne Empfehlung, denn Paisley eignet sich ganz hervorragend als typischer "Schalduft", der einem im Winter gerne mal graue Tage versüßt. Im Zusammenspiel mit Etra eine traumhafte Kombi, die im Bekanntenkreis schon viele Komplimente hervorgelockt hat.

Via Verri - hier spielen Kardamom (diese herrliche Komponente findet man in recht vielen Etro-Düften), Weißer Pfeffer, Jasmin und Moschus die entscheidenden Rollen und machen Via Verri zu einem exquisiten Bouquet der floral-herben Sorte. Kein süßer Mädchenduft und auch weniger orientalisch als viele seiner Verwandte aus demselben Haus. Ein frischer eleganter Sommer im leichten Leinen-Trenchcoat könnte so duften, gepflegt und anziehend. Und dennoch ist Via Verri nicht einer dieser typischen Sauberdüfte, die mich nach einer Zeit immer heftig in der Nase jucken. Ein toller Cleanduft aus dem Nischenbereich, der besonders den Minimalistas unter uns äußerst gut gefallen dürfte.

Vicolo Fiori - kennt Ihr diesen ganz bestimmten Sonnencremegeruch, der auf der Stelle Urlaubsfeelings auslöst? Genauso duftet Vicolo Fiori, bloß in eleganter Ausführung! Mandarine, Lotus, Weißer Pfirsich, Sandelholz und Vanille vereinen sich zu einer italienischen Romanze und lassen mich von ausgedehnten Strandtagen und Sonnenstrahlen auf der Haut träumen. Eine echte Alternative für alle Mädels, die Jil Sander Sun als zu omnipräsent und Estée Lauders Bronze Goddess als touch too much empfinden.


Parfumlayering ist eine komplexe Angelegenheit und erfordert in jedem Falle Herzblut, Experimentierfreudigkeit und in nicht wenigen Fällen auch ein Quäntchen Geduld. Nicht alle Zufallskombis funktionieren gleich gut, doch hat man das System erst einmal gecheckt, kann man eigentlich gar nicht mehr aufhören und fühlt sich ein bisschen so wie Jean-Baptiste Grenouille. Durch die Möglichkeit des Mixens entstehen schier unendlich viele neue Parfums, sodass ein ganz eigener Signature-Duft kreiert werden kann. Erfahrungsgemäß sind die Verkäufer am Etro-Counter auch bombastisch geschult und beantworten Themenfragen sehr kompetent und ausführlich - ein schöner und für mich wichtiger Service! Wer Blut geleckt hat, sollte sich alsbald zur nächsten Verkaufsstelle aufmachen und eine große Portion Zeit mitbringen. Denn gutes Layering ist nicht die olfaktorische Version von Fast Food, sondern verlangt Leidenschaft und Interesse. Wer das aufbringt, wird mit den Etro-Düften aber definitiv im siebten (Duft)Himmel schweben und ganz neue Genüsse kennenlernen!

Donnerstag, 14. Juli 2016

Skincare // Boosting Game


Dass meine Haut in Sachen Trockenheit gerade so richtig verrückt spielt, hatte ich bereits erwähnt. Normalerweise hält sich das unangenehme Spannungsgefühl direkt nach der Reinigung dank passenden Produkten stark im Rahmen, doch momentan muss ich höher stapeln. Zum Glück fallen der Beautyindustrie immer neue Wunderwaffen ein und die ein oder andere fungiert tatsächlich als kleiner Held im heimischen Badezimmer!

Meine liebste Sonnencreme kommt 2016 von Sisley (Review hier), die samtige Textur überzeugt mich noch immer und ich bin ein wenig traurig, dass sich die Tube langsam aber sicher ihrem Ende neigt. Auf genügend Feuchtigkeit kann ich jedoch nicht verzichten, weshalb ich jeden Morgen einen haselnussgroßen Klecks der Caudalie Vinosource Sorbetcreme* (einer der Bestseller der Marke) unter den Lichtschutzfaktor gebe und easy alles mische, bevor ich die Mixtur dann großzügig auf dem ganzen Gesicht verteile. Den Trick hat mir mal ein Makeup-Artist verraten, der SPF immer gleich mit Foundation vermengt - funktioniert wirklich! Vor ein paar Wochen hat Clarins seine neuen Skin Booster gelauncht, ich musste sofort die Energy-Variante* ausprobieren. Das enthaltene Ginseng-Konzentrat soll müde Haut wieder richtig erstrahlen lassen und Anzeichen von Müdigkeit und Stress ausradieren. Die Tropfen können täglich mit der gewohnten Pflege aufgetragen werden, ich gebe zusätzlich zweimal die Woche eine großzügige Menge in eine Feuchtigkeitsmaske und lasse alles gut einziehen. Wirkt wie ein Powernap! Wenn dann trotzdem mal gar nichts mehr geht, sind die Wake Me Up Collagen Eye Patches* von Magicstripes mein letzter Ausweg. Ich liebe die französische Variante von Klorane, leider ist diese sehr häufig ausverkauft (gibt es außerdem nur in Frankreich). Die Collagen-Patches werden einfach unter den Augen aufgeklebt und dürfen je nach Bedarf einige Minuten dort verweilen. Danach sieht die Partie deutlich erholter und aufgepolstert aus, was den Auftrag von Creme und Concealer erheblich erleichtert. Ich bin großer Fan und habe bei Flügen immer ein Set in meiner Tasche!

Dienstag, 12. Juli 2016

July // Some Randomness


Mittlerweile verfluche ich mich beinahe jeden Tag selbst, denn mein Redaktionsplan wächst stetig und trotzdem überschlagen sich die Ereignisse im privaten Bereich gerade so sehr, dass ein bisschen #offlinetime unheimlich gut tat. Nach der OP musste ich zwangsläufig eine kleine Beauty-Detoxkur einlegen und gewöhne mich nun langsam wieder an all die hübschen Produkte - so ganz ohne geht es dann eben doch nicht!

Welche mich momentan besonders begeistern, könnt Ihr auch immer auf Instagram sehen (@somanycliches). Gerade bin ich mal wieder unheimlich in einen grandiosen Duft verschossen: Etra von Etro. Es ist Liebe, ich sags Euch (dazu die Woche dann mehr)! Ebenso im Dauereinsatz ist der Radiant Beauty Balm aus der SPF-Collection von Ilia, weil er einfach einen herrlichen Sommerglow zaubert. Zu Lippenstift muss ich erstmal wieder zurückfinden, daher erleben die Nudenuancen in meiner Sammlung eine enorme Hochsaison (ganz vorne mit dabei ist Matte Suede von Clinique). Vor einigen Wochen habe ich Post aus Berlin bekommen. Darin enthalten war das hübsche Fine-Tiegelchen, das eine vegane Deocreme mit fantastischem Vetiverduft enthält. Endlich mal ein NK-Deo, das seine Versprechungen hält und nicht öko riecht! Die Creme lässt sich ganz easy auftragen und verteilen und zieht binnen Sekunden ein. Ähnlich wie die neuen Gel Couture-Lacke von Essie, die Nuance Model Clicks habe ich Euch schon auf Insta gezeigt. Die Textur trocknet super schnell und glänzt dank des passenden Topcoats rekordverdächtig. Eine kleine Auszeit musste dann letzte Woche noch sein, die ich mit meiner liebsten Mama im Hotel Bachmair Weissach am schönen Tegernsee verbracht habe. Vor allem die famosen Lilien, die einem dort überall begegnen, lassen mich nicht mehr los - die zieren jetzt immerhin meinen Display!

Montag, 4. Juli 2016

État Libe d'Orange // Hermann à mes Côtés me parassait une Ombre


Dieses weimaranergraue Fläschen der französischen Kultfirma État Libre d'Orange - die Parfumliebhabern sehr wahrscheinlich ein Begriff sein wird - trägt definitiv den längsten Namen der Welt (übrigens eine literarisch-olfaktorische Hommage an Victor Hugo), doch das hinderte mein Hirn nicht an der Entwicklung einer wuchtigen Liebe, die ich für diese Kreation empfinde. Zuerst hielt ich nur ein Pröbchen des Parfums in meinen Händen und wie es im (Beauty)Alltag so ist, verschwinden diese für gewöhnlich wieder ziemlich fix vom Präsentierteller. 
Bei Hermann à mes Côtés me parassait une Ombre* war das aber anders; ich konnte es einfach nicht lassen, mir bei jeder Gelegenheit und mitten in der Stadt etwas von diesem grandiosen Wässerchen nachzulegen (was normalerweise so gar nicht meine Art ist) und so machte ich mich auf die Suche nach dem Warum:

Die Faszination liegt wohl im unisex-Wesen der Duftpyramide, denn wie Ihr wisst, stehe ich nicht gerade auf super feminine Blumenbouquets. Im rechteckigen Glasflakon vereinen sich Schwarze Johannisbeerknopse, Patchouli, Weihrauch, Pfeffer und Geosmin zu einer verheißungsvollen Symbiose, die süchtig macht. Geosmin ist ein natürlich vorkommender bicyclischer Alkohol (Chemie-Unterricht Ende), der sich durch einen erdig-muffigen Geruch charakterisiert. Klingt abstoßend, ist aber so ziemlich das Gegenteil. Wer dem omnipräsent gehypten Escentric Molécules-Trend verfallen war, dürfte auch hier wieder stark gefärdet sein. Hermann à mes Côtés ist kein Parfum par exemple, sondern viel mehr ein Phänomen. Egal wo ich es getragen habe, ich wurde von Frauen und Männern darauf angesprochen. Die grün-holzige Aura legt sich wie ein wärmender Schleier um den Träger und kollidiert auf die perfekteste Art und Weise mit dem hauteigenen Körpergeruch, der die Umwelt sehr erfolgreich in seinen Bann zu ziehen scheint. Man nimmt die einzelnen Komponenten nicht unbedingt als Duft wahr, es ist viel mehr das vollkommene Ganze, das hier die Magie ausmacht. Hermann entwickelt sich auf meiner Haut kontinuierlich weiter und durchlebt dabei eine spannende Reise von grasig-spritzig zu unaufdringlich-holzig mit einem sehr sinnlichen Touch, den man keinem konkreten Geschlecht zuordnen will. Für mich als Literaturwissenschaftlerin, Nischenliebhaberin und Duftenthusiastin der schönste Duft des Jahres, der direkt auf die Haut gesprüht werden sollte. Denn dort entfaltet er all seine Kraft und agiert so als sexy Komplimentegarant!