Sonntag, 29. Oktober 2017

Van Cleef & Arpels // Bois Doré


Während ich diese Zeilen tippe, wütet draußen der erste ernstzunehmende Sturm des Jahres und hüllt das ganze Haus in eine wohlig schaurige Atmosphäre. Die Katzen liegen zusammengekauert auf dem Sofa, der würzige Duft von Chai Latte schleicht sich unterm Türschlitz durch und das leise Knistern des Kamins ist in seiner monotonen Stetigkeit wahrnehmbar und auf eine seltsame Art und Weise fast schrecklich beruhigend. Beim Essen denkt man noch über den Zauber der ersten Mandarinen nach und saugt die ätherischen Öle glückselig auf. Der Couchtisch beherbergt diverse Lektüren, allen voran ein Sammelwerk der Erzählungen von Edgar Allen Poe. Die perfekte Rahmenkulisse also, um für 2017 einen olfaktorischen Begleiter für die dunklen Tage zu finden. 

Man mag mich vielleicht für etwas melodramatisch halten - aber wenn der Winter anbricht, bin ich einfach in love. Das ist nicht zuletzt den Parfumnews auf meinem Schreibtisch zu verdanken, aus denen ich mir heute Bois Doré* des Kultlabels Van Cleef & Arpels rausgepickt habe. Der Duft ist in der Collection Extraordinaire erschienen und könnte die anstehenden Festtage kaum schöner einleuten. Für Freunde von warmen, anschmiegsamen Wässerchen und ganz besonders der edlen Tonkabohne definitiv ein Muss. Doch in aller Ruhe und von Anfang an. Den Aufktakt macht gepfeffertes Holz, das an die trockene und glühende Hitze des flackernden Kaminfeuers erinnert. Die Pfeffernote wird von sanfter Vanille und einem ordentlichen Touch Tonkabohne in ihrer Kratzigkeit abgebremst und setzt weich auf Cashmeran und weißem Moschus auf. Für mich sind Parfums dieser Art die persönliche Königsdisziplin. Wer mich kennt weiß, dass ich normalerweise eher auf der unisex-Schiene unterwegs bin und zu süße oder gar blumige Düfte nicht besonders mag. Holzig, rauchig, würzig - das darf es bei mir gerne sein. Nur mit der oftmals auflockernden Wärme einer Vanille kann ich nur selten umgehen, weil sie gerade zu Beginn der 2000er nahezu ein Garant für Kopferschmerzen der stechenden Art war. Im Laufe der Zeit bin ich aus diesem Grund zum absoluten Tonkabohnenfan mutiert. Was ich auch geschmacklich in Desserts lieber mag als klassische Vanille, entpuppt sich in der Parfumerie als sinnlicher Freund meiner Nase. Die charmante Hülsenfrucht beinhaltet die Art von Süße, die sogar an einem Mann niemals deplatziert wirken würde und harmoniert somit bestens mit meiner Vorliebe für androgyne Olfaktorien. Wer bei Schnee gerne ein duftendes Kleid aus nicht-kitschigen Weihnachtsaromen tragen möchte, sollte sich an Bois Doré definitiv versuchen. Der Inhalt ist mindestens so elegant, wie der schwarze Massivflakon.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen